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Zuzanna Ginczanka
eigentlich hieß sie Sara Ginsburg, war eine polnische Jüdin, geb. 1917 in Kijów.
Starb den Märtyrertod 1944 im Gestapogefängnis in Kraków.
Seit 1935 studierte sie Humanistik an der Warschauer Universität, zugleich nahm sie am literarischen Leben der Hauptstadt teil.
Sie gehörte der Poetengruppe "Wolynien" an;
sie war auch die jüngste Dichterin in den berühmten Skamander
(Skamander war vielleicht der wichtigste poetische Zusammenschluß in der Geschichte moderner polnischer Dichtung).
Sie veröffentlichte ihre Gedichte in der Zeitschriften, gab auch 1936 ein Gedichtband, O centaurach heraus.
Ihre frühe Lyrik ist vom Lob des Biologischen, Sinnlichem im Leben geprägt, später kommt dazu ein tiefes Nachdenken
sowie scharfe politische Kritik dazu, oft kommunistischer Prägung, auch gegen den Nazismus.
In ihrem letzten Gedicht Vermächtnis (1942) beschrieb sie auf erschütternde Weise ihr Schicksal, Schicksal einer denunzierten Jüdin.
Verrat
Mich bewachen schafft keiner.
Sünde aus Samt und Fledermäusen
hängt vom Dachboden der Angst mausköpfig herab -
Im Dämmer husche ich aus dem Turm, fliehe aus dem Wachturm
durch Stiche scharfer Wespen,
durchs Verhau vergifteter Kräuter -
Schwer erstehn aus Geröll dichte Bergspitzen von Geboten,
zwanzig Höllen der Veda,
Flammen,
Geheul
und Gepfeif,
fanatische Nacht droht, steinigt mit Sternen,
quecksilberhaft entgleit ich den Fingern.
Mich zu bewachen - unmöglich.
Du wirst Wolf, ich Bachstelze -
Du Adler, ich Irrlicht - -
in unvermuteter Vorahnung durchschau ich jede Verfolgung.
Die Welt schafft es nicht, mich zu bewachen,
o Lieber - o Herrlicher - o Lieblicher,
wenn ich nicht selbst
verlange
nach süßer
Maientreue.



Vermächtnis

Non omnis moriar - meine stolze Habe,
Wiesen meiner Tischdecken, Festungen meiner Schränke,
Breite Bettlaken, kostbare Bettbezüge
Und Kleider, helle Kleider bleiben von mir übrig.
Ich hinterlaße hier keine Erben,
So mögen deine Hände den Judenkrempel durchstöbern,
Frau Chomin aus Lemberg, tapfere Spitzelgattin,
Mutter eines Volksdeutschen, flinke Denunziantin,
Mögest du mit deiner Sippe erben, doch nicht etwa Fremde.
Meine Lieben - das ist keine Laute, kein leerer Klang.
Ich denke an euch, ihr habt, als die Schupos kamen,
Auch meiner gedacht.
Mögen meine Freunde sich beim Wein
Versammeln, auf meinen Abgang erheben das Glas
Und auf ihren Reichtum:
Kilime, Wandteppiche, Leuchter, Porzellan -
Mögen sie die Nacht durchzechen und bei Morgengrauen
Die Suche aufnehmen nach Gold und Juwelen in Sofas
Matratzen, unter Teppichen und Bettzeug.
O wie wird ihnen die Arbeit hurtig von der Hand gehn,
Verknäueltes Pferdehaar und Seegras, Wolken
Aus Innereien von Kopfkissen und Wolken aus Federbetten werden
An ihren Händen haften und Arme in Flügel verwandeln;
Mein Blut wird Werg mit frischen Daunen verkleben
Und wird die unverhofft Geflügelten zu Engeln erheben.
übersetzt von Henryk Bereska