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Piotr Wiktor Lorkowski
Antoine de Saint-Exupé=
ry
1
Ich bin das Königreich, das seine Geograp=
hie
nicht kennt. Denn sie entzieht sich allen experimentellen Wissenschaften.
Große Entdeckungen - die Reisen des Vasco da Gam=
a,
Magellan, Kolumbus, auch der holländischen Segler, die in den letzten
Jahren des 16. Jahrhunderts unter der Führung des Kapitäns Jacob =
van Heemskerck versucht haben, den Fernen Osten über=
die
Polarstrecke zu erreichen - förderten vor allem Erkenntnisse über=
den
Menschen zu Tage. Diese jedoch haben häufiger zur Verzweiflung als zur
Bewunderung geführt. Es gibt wohl keine Wissenschaft der Psychologie d=
er
Entdeckungen. Denn selbst eine solche immerhin Zeit beanspruchende Beschrei=
bung
würde eine Unterbrechung dessen bedeuten, was unbestimmbar ist.
Wir existieren gleichsam in einer Umgebung
umnebelter Phänomene, wo Vorahnungen eine Hauptrolle spielen. Als ob
jemand unerwartet für einen Augenblick eine geheimnisvolle Schriftroll=
e in
uns entrollte, ein verschlossenes Buch, in dem wir selbst, die Landkarte
unseres Königreiches, erfaßt sind. Mit unsicherem Wissen bleiben=
wir
meistens allein, so wie sich bei uns selten jemand auf Dauer
niederläßt. Uns allen ist die Einsamkeit der Herrscher gegeben. =
Aber
es gibt Räume in uns, die ruf=
enden
Räume. So durstig wie Wüsten, über denen zusammengeballte
Nebel, sich überlagende Bilder, erst im
Augenblick ihrer Erfüllung ihre endgültige Schärfe und
Stofflichkeit entfalten.
2
IM NOTIZBUCH d=
es
ersten Schnees
mene
tekel
fares
3
... weil mich m=
ein
Herz selbst in der Nacht ermahnt - erzählt der Psalmist. Wir
existieren schlaflos. Aus der Körper-Asche erhoben, hören wir nic=
ht
auf zu existieren, selbst wenn der Körper der Schale einer reifen
Nuß gleicht, die in sich die Essenz, das Wesen der Frucht, birgt. Das
Tragische des Seins ist, daß wir, obwohl einsam existierend, im Anges=
icht
[des Herrn] leben. Dieses Gefühl ist selbst Leuten nicht fremd, die we=
it
von jeglicher Religiosität entfernt sind. Auf uns schaut das vervielfa=
chte
Antlitz des Menschen, das Antlitz des Todes; Gottes Blick durchbohrt uns.
Unsere Ahnungen spiegeln diese Blicke wider. Und Vorahnungen öffnen die
Lippen der Propheten. Selbst wenn jemandem nur eine bescheidene Gabe dieser=
Art
zuteil wird, kommen Bilder an die Oberfläche seines Bewußtseins,=
die
in Zeichen und Symbolen ferne Nachrichten tragen, über unser aller
Schicksal entscheidend - gewogenen und gemessenen, schwächlich und unbedacht, in sich gespaltenen. Schlaflo=
s.
4
Große Träume, große Zeichen, groß=
;e
Vorahnungen deuten darauf hin, daß der Große Regisseur raschelnd
das Blatt Deines Drehbuches wendet. In der Nacht vor meiner Verlobung
träumte ich, daß mein Körper im Eis gefangen war und in
großem Wasser schwamm. Als wir ein paar Jahre später unser
Töchterchen zu Grabe trugen, erschien über dem Friedhof ein Regen=
bogen,
der in der Bucht seinen Anfang nahm. Das erinnerte mich damals an das Wort,=
das
nach der Flut gesagt wurde: Meinen =
Bogen
lege ich auf die Wolken, damit er das Zeichen des Bundes zwischen Mir und d=
er Erde
werde.
5
Die Räume in uns rufen. Die erhabensten Erfahrungen
von außen können diese Räume nicht füllen. Sie bewahren
dich nicht von dem Gefühl der Ab-Wesenheit
anderer Menschen in dir, vor den Folgen des Nicht-Geli=
ebt-Seins.
In der St.-Thomas-Kirche in Leipzig hörte =
ich
einen meisterhaften Vortrag der Markus-Passion. Und mein ganzes Ich war
Verlangen. Ein ähnliches Verlangen hat seine Quelle im genialsten M&au=
ml;rchen
der Gebrüder Grimm, in der die Geschichte von der Schönen und dem
Biest. Die Nähe unerschrockener Liebe kann jeden von uns veränder=
n.
(12. 95-12. 96)
übersetzt von Jolanta<=
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Mądra-Dordević und Alexandar Dordević