SOLIDARNOŚĆ
Die 21 Forderungen der Streikenden auf der Lenin-Werft in Gdansk/Danzig im August 1980
Nr. 1. Anerkennung freier, von der Partei und Arbeitgebern unabhängiger Gewerkschaften auf der Grundlage der Konvention Nr.87 der internationalen Arbeiterorganisation (IAO), die von Polen ratifiziert worden ist.
Nr. 2. Streikrecht und Sicherheitsgarantie für Streikende und deren Angehörigen.
Nr. 3. Gewährleistung der vom polnischen Grundgesetzt garantierten Freiheiten:
Rede-, Druck-, Publikationsfreiheit und darauf folgend keine Verfolgungen gegen unabhängige Presse und Garantie des Medienzugangs für Angehörigen aller Glaubenrichtungen (gemeint war vor allem Radio- und Fernsehzeiten für die katholische Kirche).
Nr. 4. Wiederanerkennung der entzogenen Rechte für:
a) die Streikenden, die nach den Unruhen 1971 und 1976 von der Arbeit entlassen wurden und Studenten, die ihren Studienplatz wegen deren Überzeugungen verloren haben
b) Freilassung aller politischen Gefangenen (darunter auch Edmund Zadrożyński, Jan Kozłowski, Marek Kozłowski)
c) Streichung des Gesetzes über Verfolgung wegen politischer Überzeugungen aus dem Gesetzbuch
Nr. 5. In allen öffentlichen Medien soll offiziell über Entstehung des sog. MKS - Międzyzakładowy Komitet Strajkowy (Überbetriebliches Streikkomitee) und dessen Forderungen berichtet werden.
Nr. 6. Unternehmen der Maßnahmen, die das Land aus der wirtschaftlichen Krise ausführen werden, in erster Linie:
a) Sachgerechte Information über die tatsächliche wirtschaftliche und politische Lage im Lande
b) Ermöglichen der Vertreter aller sozialen Schichten und Gruppierungen der Teilnahme an der Diskussion über das Programm der Reformen
Nr. 7. Während der Streikzeit soll die normale Entlohnung aus dem Budget der Gewerkschaften ausgezahlt werden wie für Urlaubszeit.
Nr. 8. Lohnerhöhung um 2000 Złotys monatlich als Entschädigung für Preiserhöhungen.
Nr. 9. Garantie der automatischen Lohnerhöhung parallel zur Preiserhöhungen und Senkung des Geldwertes.
Nr. 10. Volle Lebensmittelversorgung; für Export nur der Überschuss.
Nr. 11. Die sog. "Kommerzpreise" (in speziellen Läden für Parteimitglieder) und der Kauf mit Devisen (westliche Währung)
in "Devisenläden" dürfen nicht mehr zugelassen werden.
Nr. 12. Einführen der Anstellungspolitik für Leitungsposten nach den Prinzipien der Kompetenz und nicht der Parteizugehörigkeit; keine Sonderrechte (Privilegien) für Miliz, Sicherheitsdienstfunktionäre und Parteimitglieder u.a. durch Angleichung des Kindergeldes und Verbot des Sonderverkaufs (siehe Nr. 11).
Nr. 13. Fleisch und Fleischprodukte sollen für Fleischmarken verkauft werden (bis sich die Marktlage stabilisiert).
Nr. 14. Rentenalter für Frauen soll auf 55 Jahre, für Männer auf 60 Jahre runtergesetzt werden (oder entsprechend: Arbeit in der Volksrepublik Polen - Frauen: 30 Jahre, Männer: 35 Jahre unabhängig vom Alter).
Nr. 15. Erhöhung der Renten für sog. Altrentner (Renter, die schon lange in Rente sind und es seit ca. 30 Jahren keine Rentenanpassung gegeben hat) auf das Niveau von aktuellen Renten
Nr. 16. Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Medizinbereich, um damit die bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung zu erreichen.
Nr. 17. Erhöhung der Zahl der Kinderkrippen- und Kindergartenplätze, damit alle Kinder der arbeitenden Frauen einen Platz bekommen können.
Nr. 18. Einführen des Mutterschaftsurlaubs mit 100% Lohnzahlung für 3 Jahre (Erziehungsurlaub).
Nr. 19. Kürzung der Wartezeiten für den Erwerb einer neuen Wohnung.
Nr. 20. Reisegeld und Zusatzlohn für Arbeit außerhalb der Wohnstätte soll von 40 auf 100 Zlotys täglich erhöht werden.
Nr. 21. Einführung der arbeitsfreien Samstage. Bei den Pendel- und Schichtarbeitern im 4-Schichtensystem sollen die arbeitsfreien Samstage durch Verlängerung des Urlaubs oder andere Möglichkeiten ausgeglichen werden.